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Katzen

Die Katzen (Felidae) sind eine Familie aus der Ordnung der Raubtiere (Carnivora) innerhalb der Überfamilie der Katzenartigen (Feloidea). Sie sind auf allen Kontinenten außer Ozeanien und Antarktika verbreitet und nahezu ausschließlich Fleischfresser. Traditionell werden sie in Großkatzen (wie Löwe, Tiger, Leopard) und Kleinkatzen (wie Wildkatze, Luchs, Ozelot) unterteilt, doch spiegelt dies wohl nicht die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Familie wider. Mit der von der Wildkatze abstammenden Hauskatze wurde ein Vertreter der Familie durch Domestikation zu einem Begleiter des Menschen. Der Körperbau des Geparden lässt Rückschlüsse auf seine Jagdweise zu. Im Erscheinungsbild und im Verhalten ähneln die meisten Katzenarten der weitverbreiteten Hauskatze. Sie haben geschmeidige Körper, ein weiches Fell, kurze Gesichter und relativ kleine Schädel. Am stärksten weicht hiervon der Gepard mit seinem eher hundeähnlichen Körper ab. Alle Katzen besitzen einen Schwanz, der beim Halten des Gleichgewichts behilflich ist und auch zur innerartlichen Kommunikation benötigt wird. Bei einigen Katzenarten wie z. B. dem Luchs ist der Schwanz allerdings stark verkürzt. Im Gegensatz zu dem relativ einheitlichen Körperbau variiert das Größenspektrum der Katzenarten erheblich. Es reicht von etwa 30 cm Kopfrumpflänge bei der Schwarzfußkatze Südafrikas bis zu über 200 cm bei Arten der Gattung Panthera. Augen[Bearbeiten] Die Augen der Katzen sind im Verhältnis zum Schädel relativ groß. Die Pupillen der Katzenaugen sind in ihrer Öffnungsgröße stark veränderbar, bei hellem Umgebungslicht sind die Pupillen bei Kleinkatzen senkrecht schlitzförmig, bei anderen Katzenarten klein und rund, bei Dunkelheit sind die Pupillen extrem weit geöffnet. Einige, aber nicht alle, Katzen besitzen multifokale Linsen, die eine höhere Sehschärfe, insbesondere bei weit geöffneten Pupillen, ermöglichen. Hauskatzen haben solche Linsen (und die entsprechenden schlitzförmigen Pupillen). Andere Katzen, beispielsweise Sibirische Tiger, haben „gewöhnliche“ monofokale Linsen.[1] Katzen verfügen über eine reflektierende Schicht Tapetum lucidum hinter der Netzhaut im Auge, die jene Lichtanteile, die die Netzhaut durchdrungen haben, zurückspiegelt, so dass diese noch ein zweites Mal auf die Netzhaut treffen. Diese Schicht bewirkt neben einer verbesserten Dämmerungssicht auch eine Reflexion des auffallenden Lichts auf die Augen in der Dunkelheit (vergleiche auch Katzenauge als umgangssprachliche Bezeichnung für Reflektoren). Das Stäbchen/Zapfenverhältnis der Netzhautrezeptoren liegt bei etwa 63 zu 1 (vergleiche beim Menschen: 20 zu 1), variiert jedoch sehr stark zwischen dem Zentrum der Netzhaut (10 zu 1) und der Peripherie (200 zu 1). Katzen sehen daher auch bei wenig vorhandenem Umgebungslicht (Dämmerung, Nacht) noch sehr gut. Farben werden von Katzen nur eingeschränkt wahrgenommen, völlig farbenblind sind sie jedoch nicht. Da die Katze ihre Augen kaum nach links oder rechts bewegen kann, muss sie, um in eine andere Richtung sehen zu können, ihren Kopf bewegen. Durch die nach vorne gerichteten Augen ergibt sich eine starke Überschneidung der Sehachsen, was ein besseres räumliches Sehvermögen bedeutet. Der Sichtwinkel der Katze beträgt 200 bis 220°. Ohren[Bearbeiten] Ohrmuschel einer Hauskatze mit dem Tragus und Antitragus (Tasche zum Richtungshören) Die Ohren der Katzen stehen aufrecht, sind spitz bis rundlich und können in verschiedene Richtungen gedreht werden. Sie verfügen über ein ausgezeichnetes Gehör. Der Frequenzbereich geht hierbei bis etwa 65.000 Hz, was den des Menschen um mehr als das Dreifache übersteigt. Die Ohren einer Katze lassen sich unabhängig voneinander in einem weiten Radius drehen, wodurch es ihr möglich ist, Beutetiere akustisch zu lokalisieren und selbst bei Dunkelheit durch einen gezielten Sprung zu fangen. Die Ohrmuscheln der Katze sind mit Ohrhaaren besetzt, um das Eindringen von Fremdkörpern zu verhindern. Die Stimmung der Katze lässt sich auch an den Ohren ablesen: Angelegte Ohren bedeuten zum Beispiel Verteidigungsbereitschaft, aufrecht und neugierig nach vorne gewendet bedeutet, dass sie sich für ihre Umgebung interessiert und diese genauer beobachtet. Zunge und Geschmackssinn[Bearbeiten] Zunge einer Hauskatze Die Geschmackserkennung ist nötig, um verdorbene oder ungenießbare Nahrung zu erkennen und muss bei Katzen präzise und schnell erfolgen, da diese ihre Nahrung nicht kauen. Die Zunge ist rau, da diese mit Papillen besetzt ist. Die zentralen Papillen sind mit Dornen besetzt, die zum Körper hin zeigen. Diese Dornen dienen zum Kämmen des Felles oder zum Abschaben des Fleisches von Knochen. Die vorderen Papillen dienen der eigentlichen Geschmackswahrnehmung. Dies betrifft vor allem sauer, salzig, bitter und umami. Katzen können süß nicht schmecken: den Tieren fehlen Teile des Gens, welches die Informationen für eine Hälfte des Erkennungsproteins für „süß“ trägt. Die Folge ist ein funktionsunfähiger Rezeptor in den Geschmacksknospen der Katzenzunge. Geruchssinn[Bearbeiten] Nur selten folgen Katzen riechend einer Spur. Ihr Geruchssinn ist weniger ausgeprägt als beispielsweise bei Hunden oder Bären. Tasthaare[Bearbeiten] Die Tasthaare (zool. Vibrissen) kennzeichnen die Katze als vorwiegend nachtaktives Tier. Katzen verfügen über Tasthaare insbesondere an der Schnauze, jedoch auch über den Augen und an den unteren Vorderläufen. Die Vibrissen werden durch Luftbewegungen in Vibrationen versetzt, die über Sinneszellen an den Tasthaarwurzeln in ein räumliches Bild der Umgebung umgesetzt werden - Katzen „sehen“ dadurch zumindest grobe räumliche Strukturen ihrer direkten Umgebung auch in völliger Dunkelheit. Die Vibrissen sind bereits bei Neugeborenen vollständig ausgebildet, was die Wichtigkeit des Tastsinnes deutlich macht. Gebiss[Bearbeiten] Gebiss einer Großkatze Ober- und Unterkiefer sind mit einem Scharniergelenk verbunden. Das Gebiss besitzt 30 (Zahnformel: OK: 3-1-3-1; UK: 3-1-2-1) Zähne und ein Diastema. Die Diastemata ermöglichen es, dass die Eckzähne (Canini) beim Schließen des Maules aneinander vorbeigleiten können. Die langen, dolchartigen Eck- oder Fangzähne dienen zum Packen, Festhalten und Töten der Beute, die Reißzähne zum Abbeißen von Fleischstücken, die ohne weitere Zerkleinerung geschluckt werden. Die Reißzähne werden durch den vergrößerten letzten Vorbackenzahn (Prämolar) und den ersten Backenzahn (Molar) gebildet. Sie weisen zackige Spitzen auf, die beim Beißen scherenartig aneinander vorbeigleiten. Krallen[Bearbeiten] Krallen der Katze Katzen sind Zehen- sowie Kreuzgänger und haben an den Vorderpfoten fünf und an den Hinterpfoten vier Zehen. Die Krallen der Vorderpfoten sind auch kräftiger als die der Hinterpfoten. Mit Ausnahme des Geparden, der Flachkopfkatze und der Fischkatze - diese können ihre Krallen nur zum Teil einziehen - besitzen alle Katzen „ausfahrbare“ sichelförmige Krallen aus Horn. Diese Krallen werden nur bei Gebrauch (Kampf, Beutefang, Klettern) durch Anspannen bestimmter Muskeln ausgefahren. Damit sie sich beim Laufen nicht abnutzen, sondern scharf bleiben, verbleiben sie bei Nichtgebrauch in den Hautscheiden. Das unwillkürliche Ausfahren der Krallen wird durch Sehnen im Zeheninneren verhindert. Mit ihren scharfen Krallen können Katzen sehr gut Bäume hochklettern, aber zum Abstieg muss die Katze gelernt haben, ihre nach vorne gekrümmten Krallen als „Steighaken“ zu benutzen. Unerfahrene Katzen versuchen, mit dem Kopf voraus nach unten zu klettern, wobei sie schnell in Schwierigkeiten kommen können, in Panik geraten und in eine Schockstarre verfallen. Oftmals hilft in so einem Fall nur noch die Feuerwehr. Aufgrund der weich gepolsterten Zehen und der zurückziehbaren Krallen können Katzen sich gut an ihre Beute heranschleichen. Der Tastsinn an den Pfoten ist sehr stark ausgeprägt, ein Grund, weswegen Katzen Gegenstände auch mit den Pfoten untersuchen. Verbreitung[Bearbeiten] Katzen sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis verbreitet. In Australien und Ozeanien sind sie jedoch lediglich durch Siedler eingeführt worden. Nördlich des 70. Breitengrades kommen keine Katzen vor. Sozialverhalten[Bearbeiten] Die meisten Katzenarten sind Einzelgänger. Männliche und weibliche Tiere kommen lediglich zur Paarung zusammen und trennen sich anschließend wieder. Ausnahmen bilden hier insbesondere die Löwen, die in größeren Rudeln leben, sowie kleinere Gruppen zusammenlebender Männchen bei den Geparden. Ernährung[Bearbeiten] Eine Hauskatze lauert einer Maus auf. Anders als viele andere Raubtiere, die mehr oder weniger Allesfresser sind, ernähren sich Katzen fast ausschließlich von Fleisch. Sie sind hochspezialisierte Raubtiere, die ihrer Beute auflauern (Ansitzjäger) oder sich nahe an sie heranschleichen, um sie nach wenigen Sätzen oder einem kurzen Sprint zu überwältigen. Diese letztgenannte Jagdmethode ist in ganz besonderem Maße bei Geparden entwickelt, die auf das Erreichen sehr hoher Geschwindigkeiten (über 100 km/h) eingerichtet sind. Damit können sie ihre anvisierte Beute über eine Distanz von einigen hundert Metern verfolgen. Unzutreffend ist dagegen der Vergleich dieser Jagdmethode mit der Hetzjagd rudeljagender Caniden und Tüpfelhyänen: Im Gegensatz zu Hetzjägern können Geparden ihre Beute gerade nicht durch Ausdauer erschöpfen (worin das Prinzip der Hetzjagd besteht), sondern müssen sie binnen kurzer Zeit (kaum mehr als eine Minute) durch ihre höhere Geschwindigkeit einholen. In freier Natur bevorzugen die meisten Katzen lebend gefangene Beute und fressen nur gelegentlich Aas. Systematik der Katzen[Bearbeiten] Man unterscheidet mindestens 37 Katzenarten, die im Körperbau alle relativ ähnlich sind und äußerlich vor allem in Färbung und Größe variieren. Lediglich der Gepard weicht diesbezüglich deutlicher von anderen Katzen ab. Der einheitliche Körperbau erschwert eine Unterteilung der Familie anhand von morphologischen Kriterien. Traditionell wurden drei lebende Unterfamilien, die Großkatzen, die Kleinkatzen und die Geparde unterschieden.[2] Eine weitere Unterfamilie, die heute ausgestorben ist, stellen die Säbelzahnkatzen dar. Zu den Säbelzahnkatzen wurden ursprünglich auch die Metailurini gerechnet, die heute oft zu den felinen Katzen zählen. Karakal Langschwanzkatze Puma Löwe Schädel (Rekonstruktion) der Säbelzahnkatze Smilodon Durch die Entwicklung von molekulargenetischen Methoden, mit deren Hilfe DNA-Sequenzen verglichen werden können, wurde erkannt, dass die herkömmliche Dreiteilung der Katzen nicht die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse widerspiegelt.[2] Auch wenn es an der Monophylie (alle Untergruppen entstammen einer Stammform) der Katzen kaum Zweifel gibt, ist doch die innere Systematik der Katzen immer noch umstritten. Folgende Gattungen und Arten werden zu den Katzen gezählt:[3] Gattung Acinonyx Gepard (Acinonyx jubatus) Gattung Caracal Karakal (Caracal caracal) Gattung Asiatische Goldkatzen (Pardofelis)[4] Marmorkatze (Pardofelis marmorata) Borneo-Goldkatze (Pardofelis badia) Asiatische Goldkatze (Pardofelis temmincki) Gattung Altwelt-Wildkatzen (Felis) Graukatze (Felis bieti) Rohrkatze (Felis chaus) Sandkatze (Felis margarita) Schwarzfußkatze (Felis nigripes) Wildkatze (Felis silvestris), inkl. der Hauskatze Gattung Otocolobus Manul (Otocolobus manul) Gattung Pardelkatzen (Leopardus) Pampaskatze (Leopardus colocolo); jüngere Systematiken teilen die Pampaskatze jedoch in drei Arten (L. braccatus, L. colocolo und L. pajeros) Kleinfleckkatze (Leopardus geoffroyi) Chilenische Waldkatze (Leopardus guigna) Andenkatze (Leopardus jacobitus) Ozelot (Leopardus pardalis) Tigerkatze (Leopardus tigrinus) Langschwanzkatze (Leopardus wiedii) Gattung Leptailurus Serval (Leptailurus serval) Gattung Luchse (Lynx) Kanadischer Luchs (Lynx canadensis) Eurasischer Luchs (Lynx lynx) Pardelluchs (Lynx pardinus) Rotluchs (Lynx rufus) Gattung Altkatzen (Prionailurus) Bengalkatze (Prionailurus bengalensis) Iriomote-Katze (Prionailurus bengalensis iriomotensis) Flachkopfkatze (Prionailurus planiceps) Rostkatze (Prionailurus rubiginosus) Fischkatze (Prionailurus viverrinus) Gattung Profelis Afrikanische Goldkatze (Profelis aurata) Gattung Pumas (Puma) Puma (Puma concolor) Jaguarundi (Puma yaguarondi) Gattung Neofelis Nebelparder (Neofelis nebulosa) Sunda-Nebelparder (Neofelis diardi) Gattung Pantherartige (Panthera) Löwe (Panthera leo) Jaguar (Panthera onca) Leopard (Panthera pardus) Tiger (Panthera tigris) Schneeleopard (Panthera uncia) Traditionelle Systematik[Bearbeiten] Verwandtschaftsverhältnisse der Katzen nach O’Brien & Johnson 2008.[5] Katzen Kleinkatzen Manul (Otocolobus manul) Altkatzen (Prionailurus) Altwelt-Wildkatzen (Felis) Gepard (Acinonyx) Pumas (Puma) Luchse (Lynx) Pardelkatzen (Leopardus) Karakal (Caracal) Serval (Leptailurus) Pardofelis Großkatzen Neofelis Panthera Säbelzahnkatzen (Machairodontinae) Die traditionelle Systematik ordnete die heutigen Katzen in drei Unterfamilien: Der Gepard stand als eigene Unterfamilie Geparde (Acinonychinae) abseits; die Gattungen Panthera (Löwe, Jaguar, Leopard und Tiger) sowie der Schneeleopard und der Nebelparder bildeten die Großkatzen (Pantherinae), während die übrigen Arten als Kleinkatzen (Felinae) zusammengefasst wurden.[2] Diese Systematik beruhte auf Collier und O'Brien (A molecular phylogeny of the Felidae: immunological distance, 1985) und war lange Zeit am verbreitetsten. Als wichtiges Unterscheidungskriterium dieser Unterteilung diente einerseits die Morphologie der Krallen, die bei Geparden nicht einziehbar sind und andererseits der Aufbau des Zungenbeins, das bei den Großkatzen elastisch, bei Kleinkatzen verknöchert ist. Auf diesen Unterschied führte man die Fähigkeit zu brüllen beziehungsweise zu schnurren zurück. Einige Großkatzen (Löwe, Tiger, Leopard, Jaguar) können im Gegensatz zu den Kleinkatzen brüllen. Schnurren können alle Katzen, die Großkatzen jedoch nur beim Ausatmen, die Kleinkatzen sowohl beim Ein- wie beim Ausatmen. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Fähigkeit zu brüllen nicht vom Zungenbein abhängt, sondern mit dem Aufbau des Kehlkopfes zusammenhängt.[2] Moderne Systematiken[Bearbeiten] Molekulargenetische Untersuchungen zeigten, dass die traditionelle Einteilung nicht den Verwandtschaftsverhältnissen entsprach. So stellte sich heraus, dass die Geparde keine eigene Unterfamilie bilden, sondern eng mit den Pumas verwandt sind und damit zu den Kleinkatzen zählen. Den Analysen zufolge unterteilen sich die rezenten Katzenarten in acht Hauptlinien, die sich vermutlich in der hier aufgelisteten Reihenfolge vom Hauptzweig abspalteten. Die erste Abspaltung, die der Großkatzen, erfolgte wahrscheinlich vor etwa 10,8 Millionen Jahren, während die jüngste, die Aufspaltung in Hauskatzen-Linie und Bengalkatzen-Linie, wohl vor etwa 6,2 Millionen Jahren stattfand.[5] Großkatzen (Gattungen Panthera, Neofelis) (10,8 Mio. Jahre) Asiatischen Goldkatzen und Marmorkatze (Gattung Pardofelis) (9,4 Mio. Jahre) Karakal-Gruppe (Gattungen Profelis, Caracal, Leptailurus) (8,5 Mio. Jahre) Ozelot-Linie (Gattung Leopardus) (8,0 Mio. Jahre) Luchs-Gruppe (Gattung Lynx) (7,2 Mio. Jahre) Puma-Gruppe, einschließlich Gepard (Gattungen Puma, Acinonyx) (6,7 Mio. Jahre) Bengalkatzen-Gruppe (Gattung Prionailurus) (6,2 Mio. Jahre) Hauskatzen-Linie (Gattung Felis) (3,4 Mio. Jahre) Relativ unsicher ist die Zugehörigkeit der Bergkatze zur Ozelot-Linie. Evolution[Bearbeiten] Die Katzen stammen nach heute gängiger Meinung von den Vorfahren der Schleichkatzen oder verwandten Formen aus der Gruppe der Katzenartigen Raubtiere ab. Noch vor dem Auftreten der eigentlichen Katzen existierten die Nimraviden oder Scheinsäbelzahnkatzen, die sehr an Katzen erinnern, heute aber in eine eigene Familie (Nimravidae) gestellt werden. Sie gelten als Schwestergruppe der Felidae und nicht als deren Vorfahren. Die ältesten Fossilfunde von Katzen sind etwa 30 Millionen Jahre alt und stammen aus dem Oligozän von Europa, als mit Proailurus der erste bekannte Vertreter der Felidae erschien. Er war etwas größer als eine Hauskatze und jagte in den tropischen Wäldern. Vor etwa 20 Millionen Jahren steht Pseudaelurus an der Spitze der Evolutionslinien der Katzen [6], deren zwei Hauptlinien die Säbelzahnkatzen (Machairodontinae) und die Vorfahren der rezenten Katzen (Pantherinae und Felinae) waren. Die Angehörigen der Säbelzahnkatzen-Linie sind ausgestorben. Vor etwa 10.000 Jahren verschwanden die letzten Vertreter mit den Gattungen Homotherium und Smilodon. Aus der zweiten Evolutionslinie entwickelten sich die heutigen Katzen. Alle heutigen Katzenarten gehen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück, der vor 10 bis 15 Millionen Jahren lebte.[7] Die ausgestorbenen Metailurini, zu denen etwa Dinofelis zählt, wurden früher zu den Säbelzahnkatzen gerechnet, zählen heute aber für gewöhnlich zu den felinen Katzen. Bedeutung, Geschichte, Kultur[Bearbeiten] Fast alle Katzenarten sind in ihrem Bestand gefährdet. Neben dem Verlust an Lebensraum leiden die Populationen an der Bejagung für den Fellhandel oder für die Traditionelle Chinesische Medizin oder wegen Konflikten mit der Nutztierhaltung. Die Hauskatze lebt seit mehreren tausend Jahren in der Gesellschaft des Menschen. Sie hat dort von der Mythologie über zahlreiche Redensarten (wer mit der Katze geeggt hat, weiß, wie sie zieht) bis hin zur Belletristik und den Bildenden Künsten eine Spur gezogen. Einzelnachweise[Bearbeiten] Hochspringen ↑
11.11.14 19:21


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Pferde

Die Pferde (mittellat. paraveredus, abgeleitet von keltisch-spätlat. veredus „Kurierpferd“)[1] oder Einhufer (Equus) sind die einzige rezente Gattung der Familie Equidae. Arten anderer Gattungen dieser Familie sind nur als Fossilien erhalten. Zur Gattung Equus gehören die Tiere, die als Pferde, Esel und Zebras bezeichnet werden. Die Abgrenzung der Arten ist bis heute umstritten. Insgesamt werden meist sieben Arten unterschieden, von denen die meisten in ihrem Bestand gefährdet sind. Das Hauspferd und der Hausesel, die domestizierten Formen des Wildpferds respektive des Afrikanischen Esels, spielen als Last- und Reittier eine wichtige Rolle und sind weltweit verbreitet. Inhaltsverzeichnis [Verbergen] 1 Merkmale 1.1 Allgemeines 1.2 Gliedmaßen 1.3 Kopf und Zähne 1.4 Innere Anatomie 2 Chromosomenzahl 3 Verbreitungsgebiet und Lebensraum 4 Lebensweise 4.1 Sozialverhalten 4.2 Nahrung 4.3 Feinde und Feindverhalten 5 Fortpflanzung 6 Systematik und Stammesgeschichte 6.1 Äußere Systematik 6.2 Innere Systematik 6.3 Stammesgeschichte 6.3.1 Die stenoninen Pferde 6.3.2 Die caballinen Pferde 6.3.3 Der Ursprung der heutigen Pferde 7 Pferde und Menschen 7.1 Domestizierung 7.2 Gefährdung 8 Literatur 9 Weblinks 10 Einzelnachweise Merkmale Allgemeines Eine kurze Stehmähne ist für Przewalski-Pferde charakteristisch Pferde sind generell stämmige Tiere mit vergleichsweise großen Köpfen und langen Gliedmaßen. Größe und Gewicht variieren: Sie erreichen insgesamt Kopfrumpflängen von 200 bis 300 Zentimetern, der Schweif wird 30 bis 60 Zentimeter lang. Die Schulterhöhe schwankt bei den kleineren Arten wie dem Asiatischen (Equus hemionus) und dem Afrikanischen Esel (Equus asinus) zwischen 110 und 140 cm bei einem Gewicht von 200 bis 275 kg,[2][3] die größte rezente Art, das Grevyzebra (Equus grevyi) wird am Widerrist bis zu 150 cm hoch und wiegt zwischen 350 und 430 kg, in Ausnahmefällen bis zu 450 kg.[4] Das Fell ist dicht und meist kurz, die meisten Arten haben am Nacken, am Schopf und am Schwanz längere Haare, Langhaar genannt. Die Fellfärbung ist bei den meisten Arten grau oder braun an der Oberseite und weißlich-grau an der Unterseite. Streifen an Schultern und Gliedmaßen können bei mehreren Arten vorhanden sein. Die drei Zebraarten sind durch ihr auffälliges schwarz-weißes Fellkleid bekannt. Das Höchstalter von Pferden liegt bei etwa 40 Jahren in freier Wildbahn, Tiere in menschlicher Obhut können knapp 50 Jahre alt werden. Gliedmaßen Anatomie eines Hengstes Eines der charakteristischsten Merkmale der Pferde ist die Reduktion der Zehenanzahl; so haben alle heute lebenden Arten nur mehr eine funktionale Zehe (Monodaktylie). Es handelt sich dabei um die dritte Zehe, die restlichen Zehen sind zurückgebildet und am Skelett des Vorderbeins als rudimentäre Griffelbeine erhalten. Hufe bilden als „Hufschuh“ eine vollständige Bedeckung des letzten Zehengliedes. Beim Gehen setzen Pferde nur das letzte Zehenglied auf, sie sind also Spitzengänger. Pferde haben wie alle Unpaarhufer ein sattelförmiges Talonaviculargelenk – das Sprunggelenk zwischen Sprungbein (Talus) und Kahnbein (Naviculare) –, das die Beweglichkeit stark einschränkt. Die Elle ist stark reduziert und in der unteren Hälfte mit der Speiche verschmolzen; ebenso ist das untere Ende des Wadenbeins vollständig mit dem Schienbein verwachsen. Der Oberschenkelknochen ist vergleichsweise kurz, allerdings am Gelenkkopf mit einem großen Knochenfortsatz (Trochanter tertius) versehen. Das Schlüsselbein fehlt. Kopf und Zähne Schädel eines Pferdes Pferde haben einen wuchtigen Kopf, der Gesichtsschädel ist auffallend langgestreckt und wird vorwiegend vom Oberkiefer gebildet. Auch das Zwischenkieferbein ist verlängert. Das Nasenbein ist lang und schmal, die Augenhöhle ist weit nach hinten versetzt und liegt hinter den Zähnen. Das Kiefergelenk liegt hoch, der Unterkieferast ist vergrößert. Die Augen liegen seitlich am Kopf, die Ohren sind lang und beweglich. Pferde haben pro Kieferhälfte jeweils drei Schneidezähne, diese sind meißelförmig ausgebildet. Ein Eckzahn ist in der Regel nur bei männlichen Tieren vorhanden, bei Weibchen fehlt er oder ist sehr klein. Dahinter klafft eine als Diastema bezeichnete Lücke. Pro Kieferhälfte haben Pferde meist drei Prämolaren (ein vierter, der vorderste, ist nur selten vorhanden) und drei Molaren. Die Prämolaren ähneln im Bau stark den Molaren und sind ebenfalls hochkronig (hypsodont). Durch Abschliff entsteht ein Relief aus gewundenen Schmelzleisten, dazwischen sind Lagen aus Zement und Dentin. Die Bezahnung stellt eine ideale Anpassung an harte Grasnahrung dar. Innere Anatomie Pferde sind wie alle Unpaarhufer Enddarmfermentierer, das heißt, dass die Verdauung größtenteils erst im Darmtrakt stattfindet. Der Magen ist – im Gegensatz etwa zu dem der Wiederkäuer – stets einfach gebaut und einkammerig; die Fermentation findet im sehr großen Blinddarm (der bis zu 90 Liter fasst) und im doppelschlingigen, bis zu 4 Meter langen aufsteigenden Grimmdarm (Colon ascendens) statt. Insgesamt kann der Darmtrakt bis zu 26 Meter lang sein. Pferde unterscheiden sich im Bau des Eierstocks von allen anderen Säugetieren: Das gewöhnlich als „Rinde“ bezeichnete Eierstockgewebe mit den Follikeln liegt bei ihnen im Inneren des Organs, das gefäßführende Eierstockmark dagegen außen. Die Eierstockrinde reicht nur an einer Stelle an die Oberfläche. Diese Stelle ist als Einziehung auch von außen sichtbar und wird als „Ovulationsgrube“ (Fossa ovarii) bezeichnet, nur an dieser Stelle kann der Eisprung (Ovulation) erfolgen. Männliche Tiere haben ein Skrotum, aber wie alle Unpaarhufer keinen Penisknochen. Eine Besonderheit der Pferde ist der Luftsack, der eine Aussackung der Ohrtrompete unterhalb der Schädelbasis darstellt. Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl der Pferdearten variiert von 2n = 66 bis 2n = 32: Przewalski-Pferd (Equus ferus przewalskii): 2n = 66 Hauspferd (Equus ferus caballus): 2n = 64 Afrikanischer Esel / Hausesel (Equus asinus): 2n = 62 Asiatischer Esel (Equus hemionus): 2n = 54–56 Tibet-Wildesel (Equus kiang): 2n = 50–52 Grevyzebra (Equus grevyi): 2n = 46 Steppenzebra (Equus quagga): 2n = 44 Bergzebra (Equus zebra): 2n = 32 Die Spanne bei E. hemionus wie auch bei E. kiang wird mit der Robertson-Translokation erklärt.[5] Verbreitungsgebiet und Lebensraum Die wilden Formen der rezenten Pferdearten leben heute noch im östlichen und südlichen Afrika und in den zentralen Regionen Asiens. In den letzten Jahrtausenden ist das Verbreitungsgebiet der Pferde deutlich zurückgegangen. Bis zum Ende des Pleistozäns waren sie über weite Teile Eurasiens, Afrikas und Amerikas verbreitet. Auf dem amerikanischen Kontinent sind sie vor rund 10.000 Jahren aus nicht genau geklärten Gründen ausgestorben. Als Gründe dafür werden die Bejagung durch die neu eingewanderten Menschen, klimatische Veränderungen nach dem Ende der letzten Eiszeit, eine Seuche oder eine Kombination dieser Faktoren vermutet. Auch im westlichen Europa dürften die Bestände vor rund 10.000 Jahren ausgestorben sein. In Nordafrika und Westasien wurden sie vermutlich in der Antike ausgerottet – lediglich im Irak und im Iran hielt sich eine Population des Asiatischen Esels bis ins 20. Jahrhundert. Im östlichen Europa sind die letzten wildlebenden Pferde – die Tarpane – im 19. Jahrhundert ausgestorben. Im Gegensatz dazu wurden Hauspferd und Hausesel vom Menschen weltweit verbreitet, in einigen Ländern gibt es auch verwilderte Populationen beider Formen. Die größte Anzahl verwilderter Hauspferde und -esel lebt jeweils in Australien, aber auch in den USA und anderen Ländern sind sie zu finden. Als Lebensraum bevorzugen Pferde offenes Gelände, sie finden sich in Savannen und Steppen, aber auch in trockeneren Habitaten wie Halbwüsten und Wüsten. Nur der Waldtarpan war in Europa überwiegend Waldbewohner. Lebensweise Sozialverhalten Kiangs leben in Gruppen Obwohl Pferde auch tagsüber auf Nahrungssuche gehen können, sind sie vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Das Sozialverhalten ist unterschiedlich. Bei einigen Arten wie Grevyzebra und Afrikanischem Esel etablieren die männlichen Tiere Paarungsreviere, die über 10 Quadratkilometer groß sein können – die größte bekannte Reviergröße aller Pflanzenfresser. Obwohl sich manchmal Tiere zu Verbänden zusammenfinden, gibt es bei diesen Arten keine dauerhaften Beziehungen zwischen erwachsenen Tieren. Bei anderen Arten (wie Przewalski-Pferd, Berg-, Steppenzebra und verwilderten Hauspferden wie z. B. Mustangs) begleiten ein Hengst, manchmal mehrere Hengste, überwachend und treibend eine Gruppe[6] (von 3 bis maximal 35 Tieren)[7] mit etablierter Rangordnung. Die absolute Obergrenze ist unklar, da bei größeren Gruppen (20–35 Tiere) oftmals mehrere Hengste vorhanden sind, wobei eine klare Trennung in Untergruppen nicht zu erkennen ist. Leben mehrere Gruppen auf einem Gebiet zusammen, so kann es auch zur Bildung einer Herde kommen, wobei auch diese Gruppen untereinander eine etablierte Rangordnung besitzen. Dass es in Pferdegruppen Leitstuten gibt, konnte bisher in keiner wissenschaftlichen Veröffentlichung nachgewiesen werden. Berichte, auch von Pferdeflüsterern, entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage. Dass der Beginn der Bewegungen von verschiedenen Stuten initiiert wird, konnte in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen werden.[8] Die Kommunikation mit Artgenossen erfolgt mittels Gesten, etwa die Haltung der Ohren, des Kiefers oder des Schwanzes, aber auch durch Laute. Weiterhin ist nachgewiesen worden, dass Pferde über den Geruch von Kot Informationen über andere Individuen erhalten. [9] Nahrung Pferde sind ausschließlich Pflanzenfresser und nehmen in erster Linie Gräser zu sich. Aufgrund der harten Kieselsäure in diesen Pflanzen entwickelten sich bei den Pferden hochkronige Backenzähne mit einem hohen Zahnzementanteil, um dem verstärkten Abrieb beim Kauen entgegenzuwirken. In unterschiedlichem Ausmaß werden aber auch weichere Pflanzenteile wie Blätter oder Zweige gefressen,[10][11] einige ausgestorbene Equus-Arten waren auch an gemischte Pflanzenkost angepasst, wie beispielsweise das Kap-Zebra (Equus capensis).[12] Weiterhin sind Pferde stark von Wasser abhängig. Einige Arten können notfalls auch längere Zeit ohne Wasser auskommen, sie gleichen ihren Wasserhaushalt nach einer derartigen Phase aber mit einer Aufnahme von bis zu 30 Liter Wasser in kürzester Zeit wieder aus.[3] Dieses Verhalten ist auch vom Hauspferd bekannt und führte zur Redensart „saufen wie ein Pferd“.[13] Feinde und Feindverhalten Pferde haben eine Reihe natürlicher Feinde, dazu zählen in erster Linie große Raubtiere wie Hyänen, Wölfe, Wildhunde und Großkatzen. Sie sind wie viele Huftiere „Fluchttiere“. Der Körperbau der Pferde ist auf schnelles und ausdauerndes Laufen ausgelegt, daher flüchten sie bei Bedrohung. Wenn sie in die Enge getrieben werden, können Pferde auch mit den Hufen treten oder Angreifern schmerzhafte Bisswunden zufügen. Ihre wirkungsvollste Waffe sind die stark bemuskelten Hinterbeine. Fortpflanzung Die Tragzeit der Pferde beträgt 330 bis 410 Tage – am längsten beim Grevyzebra, am kürzesten beim Hauspferd. In der Regel kommt ein einzelnes Jungtier zur Welt. Dies ist relativ schwer (es erreicht 9 bis 13 Prozent des Gewichts der Mutter) und weit entwickelt, es kann der Mutter schon wenige Stunden nach der Geburt folgen. Nach 0,5 bis 1,5 Jahren wird das Jungtier entwöhnt. Die Geschlechtsreife tritt mit zwei bis sechs Jahren ein, wobei sich Hengste aufgrund der Sozialstrukturen meist erst in höherem Alter fortpflanzen können als Stuten. Zwischen den einzelnen Arten sind auch Hybridbildungen bekannt. Kreuzungen zwischen Zebras und anderen Pferdearten heißen Zebroide oder Zebrule. Systematik und Stammesgeschichte Unterkiefermolaren der Gattung Equus: links Hausesel (stenonin), rechts Hauspferd (caballin) Äußere Systematik Die nächsten lebenden Verwandten der Pferde sind die Tapire und die Nashörner, gemeinsam bilden sie die Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla). Allerdings sind Tapire und Nashörner enger miteinander verwandt und sind Teil der Unterordnung Ceratomorpha, denen die Pferde zusammen mit ihren ausgestorbenen Vorfahren in der eigene Unterordnung Hippomorpha (Pferdeverwandten) gegenübergestellt werden. Innerhalb dieser Unterordnung besteht die Überfamilie Equoidea aus der Familie der Pferde (Equidae) und der ausgestorbenen Familie Palaeotheriidae.[14] Die Abtrennung der Linie der Pferde von jener der Nashörner und Tapire erfolgte laut molekulargenetischen Untersuchungen vor wenigstens 56 Millionen Jahren.[15] Innere Systematik Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den einzelnen Arten sind nicht restlos geklärt. Traditionell werden die modernen Pferde in zwei große Formengruppen geteilt: die caballine (auch caballoide) Gruppe, deren Name auf das heutige Hauspferd Equus caballus zurückgeht, und die stenonine (auch stenoide, zebroide oder non-caballine) Gruppe, benannt nach dem ausgestorbenen Equus stenonis aus dem Villafranchium. Der deutlichste Unterschied der beiden Formen besteht in der charakteristischen Ausbildung der unteren Molaren, deren hinterer (zungenseitiger) stark geschwungener Verlauf der Leisten des Zahnschmelzes zwischen zwei markanten Vorsprüngen (Metaconid und Metastylid) einerseits V-förmig (stenonin), andererseits U-förmig (caballin) ausgebildet ist. Zu den stenoninen Pferden werden alle heutigen Zebras und Esel gestellt, während die caballinen das heutige Wild- und das Hauspferd einschließen und auch als Echte Pferde bezeichnet werden.[16][17] Die Anzahl der rezenten Pferdearten ist immer noch umstritten, meist werden sechs, sieben oder acht rezente Arten unterschieden. Vermerkt sind hier auch die noch heute gültigen Untergattungen (Klammerzusatz in der Artbenennung), auch wenn diese häufig nicht mehr benutzt werden.[18] Innere Systematik der rezenten Vertreter der Gattung Equus nach Budiansky 1997[19] Pferde (Equus) N.N. Afrikanische Esel (E. asinus) Asiatische Esel (E. hemionus) und Kiang (E. kiang) N.N. Bergzebra (E. zebra) N.N. Grevyzebra (E. grevyi) Steppenzebra (E. quagga) Wildpferd (E. ferus) Das Wildpferd, Equus (Equus) ferus, ist in den 1960er Jahren mit der letzten überlebenden Unterart, dem Przewalski-Pferd (Equus ferus przewalskii), in freier Wildbahn ausgestorben. Mittlerweile laufen Auswilderungsversuche in der Mongolei, China und anderen Ländern. Der Bestand wird auf 2000 Tiere geschätzt. Die im 19. Jahrhundert ausgestorbenen Tarpane stellen weitere Unterarten dar. Das Wildpferd ist die Stammform des Hauspferdes. Der Afrikanische Esel, Equus (Asinus) asinus, auch Wildesel oder Echter Esel genannt, ist in freier Wildbahn hochgradig gefährdet. Nur mehr wenige Tiere leben in Eritrea, Äthiopien und Somalia. Der Afrikanische Esel ist die Stammform des Hausesels. Der Asiatische Esel, Equus (Hemionus) hemionus, auch Halbesel oder Pferdeesel genannt, ist in mehreren Unterarten (Onager, Kulan und andere) vom Iran bis Indien und die Mongolei verbreitet. Von manchen Zoologen werden die Unterarten als eigenständige Arten angesehen, demnach findet man je nach Lehrmeinung ein, zwei, drei oder gar bis zu sechs Arten Asiatischer Esel. Im Gegensatz zu den Afrikanischen Eseln wurden Asiatische Esel nie domestiziert. Der Kiang, Equus (Hemionus) kiang, wurde früher als Unterart des Asiatischen Esels angesehen, ist jedoch größer und „pferdeähnlicher“ als dieser. Die Art lebt im Hochland von Tibet und angrenzenden Gebieten. Das Grevyzebra, Equus (Dolichohippus) grevyi, ist an seinem besonders engen Streifenmuster erkennbar. Nur noch wenige tausend Tiere leben in Kenia, Somalia und Äthiopien; die Art gilt als bedroht. Das Bergzebra, Equus (Hippotigris) zebra, ist mit zwei Unterarten in Namibia und Südafrika beheimatet. Bei dieser kleinsten Zebraart reichen die Querstreifen an der Kruppe bis zur Schwanzwurzel. Das Steppenzebra, Equus (Hippotigris) quagga, kommt vom südlichen Sudan bis Südafrika vor. Die Art ist daran erkennbar, dass auch der Bauch gestreift ist und zwischen den Streifen oft hellere „Schattenstreifen“ liegen. Das Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorbene Quagga, bei dem nur Kopf und Hals gestreift waren, gilt heute meist als Unterart des Steppenzebras, manchmal wird es jedoch als eigenständige Art betrachtet. Ursprünglich enthielt die Gattung Equus neben den rezenten Arten noch mehr als 230 beschriebene, nur fossil bekannte Taxa, davon allein 58 aus Nordamerika. Ein Großteil dieser ausgestorbenen Formen basierte allerdings auf nur fragmentiertem Fossilmaterial oder war mangelhafte beschrieben. Aus diesem Grund wurden 1985 bzw. 1989 zahlreiche Taxa synonymisiert.[20] Stammesgeschichte Die stenoninen Pferde Equus simplicidens Die Familie der Pferde ist eine sehr alte Gruppe der Unpaarhufer, deren Stammesgeschichte mehr als 55 Millionen Jahre zurückreicht. Die Gattung Equus umfasst dabei die modernen Pferde und stellt das jüngste Glied in dieser Entwicklung dar. Der Ursprung der modernen Pferde liegt in Nordamerika, laut molekulargenetischen Analysen spaltete sich Equus vor rund 3,9 Millionen Jahren im Pliozän ab.[16] Dies stimmt relativ gut mit dem ältesten paläontologischen Nachweisen überein, die unter anderem aus der Ringold-Formation im US-Bundesstaat Washington stammen und älter als 3,4 Millionen Jahre sind. Diese werden der Gattung Equus simplicidens zugewiesen, einem frühen Vertreter der stenoninen Pferdegruppe, ähnlich wie die Funde aus der Hagerman-Fauna der Horse Quarry in Idaho, wo mehr als 150 Schädel dieser Pferdeart gefunden wurden, deren Alter auf etwa 3,7 Millionen Jahren geschätzt wird. Dieser früheste Vertreter von Equus wird manchmal auch der Untergattung Plesippus zugeordnet.[21] Equus selber ging höchstwahrscheinlich aus Dinohippus aus dem späten Miozän hervor, einem der im Miozän entstandenen einhufigen Pferde, allerdings bestehen noch Unterscheidungsschwierigkeiten zwischen dieser Gattung und den frühesten modernen Pferden.[17][18] Etwa vor 3 bis 2,5 Millionen Jahren im ausgehenden Pliozän, erreichten erste Vertreter der stenoninen Pferde Eurasien. Es handelte sich weitgehend um großwüchsige Formen. Zahlreiche frühe stenonine Pferde zeigen Merkmale der heutigen Zebras und Esel, weshalb sie ursprünglich zum Taxon Allohippus zusammengefasst wurden, was aber nicht gültig ist. Die Pferde breiteten sich in den ursprünglich von Hipparion-Vertretern besiedelten Landschaften relativ schnell aus und spalteten sich in zahlreiche Arten auf. Zu den bekanntesten zählen Equus stenonis, Equus sanmeniensis und Equus namadicus. Spätestens vor 2,5 bis 2 Millionen Jahren hatten die stenoninen Pferde auch Südostafrika erreicht. Bemerkenswert ist, dass an vielen eurasischen Fundstellen stenoniner Pferde zwei sympatrische Arten auftreten, die sich hinsichtlich der Körpergröße unterscheiden. So kommt z. B. in der mittelpleistozänen Fundstelle Voigtstedt (Thüringen) mit Equus suessenbornensis eine große und mit Equus altidens eine sehr kleine Art vor.[17][18] Die caballinen Pferde Przewalski-Pferd Der Urahn der caballinen Pferde ist erstmals vor 2,5 bis 1,8 Millionen Jahren ebenfalls in Nordamerika fassbar und wird allgemein als Equus scotti bezeichnet. Funde dieses stämmigen Pferdes sind mit mehreren Skeletten am Rock Creek in Texas geborgen worden. Ihr erstes Erscheinen in Eurasien ist nicht gesichert, sehr alte Funde aus dem Villafranchium sind aus Beresti (Moldawien) bekannt. Häufiger treten sie dann ab dem frühen Mittelpleistozän auf, wo sie sich in eine formenreiche Gruppe mit zahlreichen Vertretern aufspalten, bekannte Arten sind Equus mosbachensis, Equus steinheimensis oder Equus chorsaricus. Jungpleistozäne Vertreter werden überwiegend als Equus germanicus bezeichnet. Es handelte sich bei den caballinen Pferden ebenfalls meist um recht große Tiere, allerdings wird die Eigenständigkeit der einzelnen Arten vielfach diskutiert, da einige Forscher der Meinung sind, es handle sich häufig nur um variierende Unterarten einer Spezies.[17][18] Mit der Entstehung der Landbrücke von Panama wanderten die Pferde auch in Südamerika ein. Zu den ersten Pferdevertretern dieses Kontinents zählte die Gattung Hippidion, die vor etwa 2,5 Millionen Jahren aus Nordamerika einwanderte. Vor etwa 2 Millionen Jahren erreichten allerdings auch Equus Südamerika, wo sie bald darauf mehrere Arten hervorbrachte. Eine davon war Equus andium, das im südlichen Patagonien genau wie Hippidion saldiasi bis in die Nacheiszeit überlebte. Es wurden zahlreiche moderne Pferdearten aus dem späten Pleistozän beschrieben, doch neuere Untersuchungen lassen vermuten, dass sich alle auf zwei weit verbreitete Arten zurückführen lassen: auf eine eindeutige caballine Art, die möglicherweise sogar mit dem Eurasischen Przewalski-Pferd verwandt ist sowie auf eine schlanke Art, die im englischen als „stilt-legged horse“ bezeichnet wird und früher für einen nahen Verwandten des Halbesels oder Esels gehalten, später als den caballinen Formen nahestehend angesehen wurde. Neuere DNA-Untersuchungen zeigten aber, dass diese „stilt-legged horses“ eine eigene endemische Gruppe in Amerika bilden mit naher Verwandtschaft zu den caballinen Formen.[22][23] Auf dem gesamten amerikanischen Kontinent starben die Pferde aus nicht genau bekannten Ursachen vor etwa 10.000 Jahren aus.[24][25] Der Ursprung der heutigen Pferde Die südlichen Steppenzebras sind an ihren „Schattenstreifen“ zu erkennen Der stammesgeschichtliche Ursprung der heute noch lebenden Pferdarten ist aufgrund der vielfachen Artbenennungen pleistozäner Equus-Vertreter schwierig. Relative Sicherheit besteht beim heutigen Wildpferd (Equus ferus) als einzige caballine Form, die möglicherweise auf die besonders großen Wildpferde des Jungpleistozäns zurückgeht, die meist als Equus germanicus bezeichnet werden. Aus Equus ferus dürfte sich dann auch das kleinere Przewalskipferd (E. ferus przewalskii) entwickelt haben. Über die Vorfahren des Steppen- (Equus qagga), Berg- (Equus zebra) und Grevyzebras (Equus grevyi) herrscht noch weitgehend Unklarheit, molekulargenetisch trennte sich die Zebralinie mit dem Bergzebra vor 2,8 Millionen Jahren ab, während Steppen- und Grevyzebra sich vor rund 1,6 Millionen Jahren aufspalteten. Das Grevyzebra scheint dabei eventuell vom fossilen Equus mauritanicum abzustammen. Die Wurzeln des Halbesels (Equus hemionus) und des Esels (Equus asinus) reichen sehr weit zurück, möglicherweise bis zu dem sehr frühen nordamerikanischen Equus cumminisii vor über 3 Millionen Jahren, was auch den molekulargenetischen Daten mit einer Spaltung vor mehr als 3 Millionen Jahren entspricht. Über die weitere Entwicklung herrscht aber wenig Klarheit. Einerseits wird eine unabhängige Weiterentwicklung angenommen (Equus altidens zu Equus hemionus bzw. Equus tabeti zu Equus asinus), allerdings wird auch angenommen, dass der Halbesel sich direkt aus dem Esel geformt haben könnte. Einen fossilen Seitenzweig der Halbesel- Linie stellt dabei die pleistozäne Form Equus hydruntinus aus Europa und Westasien dar.[16][26][27] Pferde und Menschen Packesel Maultiere vor einem Pflug Doppeldeckwagen von Dresdens erster Pferdestraßenbahn Domestizierung Das Hauspferd und der Hausesel haben in der Geschichte der Menschheit als Reit-, Arbeits- und Lasttiere eine bedeutende Rolle gespielt. Der Zeitpunkt der Domestikation beider Arten lässt sich nicht mehr genau datieren. Schätzungen zufolge geschah dies beim Hausesel rund 4000 v. Chr. Der Zeitpunkt der Domestizierung des Hauspferds konnte nach DNA-Analysen von Pferdehaarproben anhand der Farbvielfalt, die sich wahrscheinlich erst in der Zucht herausgebildet hat, auf mindestens 5000 v. Chr. datiert werden.[28] Die Tiere wurden zunächst als Trag- und Zugtiere eingesetzt. Bronzezeitliche Felsbilder in Schweden (Tegneby) zeigen Pferde sowohl als Zug- als auch als Reittiere. Im Gefolge des Menschen haben beide Arten eine weltweite Verbreitung erlangt. So stammen etwa alle amerikanischen Wildpferde und die Pferde der damaligen Indianer von einigen wenigen Exemplaren ab, die die Spanier im 16. Jahrhundert mitbrachten und die dann teilweise verwilderten.[29] Der hohe Bedarf an Pferden zeigte sich auch im Handel. So exportierte im Jahr 1887 Deutschland 11.428 Pferde im Wert von 657.100 Britischen Pfund nach England, importierte jedoch fast siebenmal so viele Pferde aus England (73.519 Pferde im Wert von 3.002.450 Britischen Pfund).[30] Aufgrund der Motorisierung der Landwirtschaft und der Verbreitung des Automobilverkehrs ist die Nutzung von Pferden und Eseln in den westlichen Industrieländern im Personen- und Güterverkehr stark zurückgegangen, das Reiten wird meist nur mehr als Hobby oder Sport betrieben. In den unterentwickelten Regionen der Erde ist der Einsatz von Tieren als Verkehrsmittel aber immer noch weit verbreitet. Ein weiterer wichtiger Bereich der Nutzung ist das Pferdefleisch als Nahrungsmittel. Auch die Stuten- und Eselsmilch werden verwendet, und die Haut beider Arten wird zu Leder verarbeitet, wobei dem Pferdeleder bei der Herstellung aufwendiger Schuhe eine besondere Bedeutung zukam. Im Gegensatz zu anderen Nutztieren spielten diese Zwecke jedoch stets eine untergeordnete Rolle. Daneben gibt es für Rosshaar vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Gefährdung Das Quagga ist Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben Die meisten Pferdearten sind gefährdet. Durch Bejagung und Einschränkung des Lebensraumes wurden viele Arten an den Rand der Ausrottung gedrängt. Das Quagga, vermutlich eine Unterart des Steppenzebras, wurde Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Das Przewalski-Pferd gilt als in freier Wildbahn ausgerottet und lebt nur mehr dank Auswilderungsprojekten in der Natur. Vom wildlebenden Afrikanischen Esel gibt es nur mehr wenige hundert Exemplare, die IUCN listet ihn als vom Aussterben bedroht (critically endangered). Der Asiatische Esel und das Grevyzebra gelten als stark gefährdet (endangered), das Bergzebra als gefährdet (vulnerable). Das Steppenzebra und der Kiang gelten als nicht gefährdet (least concern).[31]
11.11.14 19:18


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